Ist stricken nur etwas für Oma’s?

Vor einiger Zeit fragte mich eine Freundin: „Was sagt denn dein Mann, dass du strickst?“ Ich wunderte mich etwas über ihre Frage, denn mein Mann sagt im Grunde nichts. Im Gegenteil. Er ist sogar interessiert und fragt neugierig was ich mache oder was es für ein neues Projekt wird. Wir haben auch einen Insider. Denn als ich meine Stola für die Hochzeit gestrickt hatte, hatte ich ihn immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass er die Stola keinesfalls waschen darf. Er fragte mich, was passieren würde und ich sagte ihm, die Stola würde klein wie eine Briefmarke aus der Maschine kommen. Er lachte daraufhin so heftig, dass ihm die Tränen kamen. Seit dem „droht“ er mir mit der Maschine und wir lachen zusammen 😀

Aber die Frage von meiner Freundin ging mir nicht aus dem Kopf. Da fiel mir mein Ex-Freund ein. Er hat sich damals über mich lustig gemacht als ich, mit Mitte zwanzig, mit dem Stricken anfing. In der Zeit strickte ich auch nicht so gerne und besonders dann nicht, wenn er zuhause war. Heute ist es für mich selbstverständlich, dass mein Partner mein Hobby akzeptiert, aber offensichtlich ist es nicht für jeden ein „normales“ Hobby.

Aber warum ist das so?

Meine Erklärung ist die: viele glauben dass stricken und häkeln immer noch total verstaubt und nur etwas für Oma’s ist. Nur das die Zeit, in der nur Topflappen und Häkeldeckchen gearbeitet werden, schon lange rum ist. Es gibt schon seit etlichen Jahren Magazine und Bücher, die voll mit zeitgemäßen Modellen sind. Es gibt auch Mode Lables wie Maiami, die damit werben, dass ihre Pullover selbst gestrickt sind und diese Pullover haben nichts mit altbacken oder Oma zu tun.

Auf der ganzen Welt wird gestrickt. Wenn man auf Instagram den Hashtag #stricken eingibt, dann kann man aus all möglichen Ländern tolle Dinge aus Wolle finden. In Amerika gibt es Menschen, zum Beispiel The Hook Nook, die sogar richtig erfolgreich damit geworden sind und heute tausende von Follower haben. Sie verdienen ihr Geld damit und sorgen so für ihre Familie. Diese Personen werden bewundert und dienen als Vorbilder für viele Strickerinnen und Stricker. Ja, Stricker. Die gibt es nämlich auch 🙂
Ob den Personen, die sich über Stricken und Häkeln lustig machen, klar ist, dass man ein richtiges Business damit auf die Beine Stellen kann und das so gar nichts mit Oma zu tun hat??? Ich denke nicht.

Auch die meisten Wollhersteller haben den Absprung aus der verstaubten Ecke geschafft. Die meisten haben trendige Garne und Farben. Aber schaut man mal auf deren Internet-Auftrit, sind nicht alle Hersteller in der neuen Welt angekommen. Dafür ist es um so schöner, wenn Hersteller ihrem Internet-Auftritt ein neues Gewand verpassen. Ganz aktuell bei Schachenmayr geschehen. Vorher bin ich immer geflüchtet, wenn ich im Internet auf deren Seite gelandet bin. Der neue Auftritt ist heller, freundlicher und übersichtlicher geworden. Es macht Spaß auf der Seite zu surfen und nach Anleitungen zu suchen.

Mein Fazit:

Ich finde nicht, dass wir uns für unser Hobby schämen müssen. Ich finde auch nicht, dass unser Hobby irgendwas mit Oma zu tun hat. Es ist ein wunderbares Gefühl, wenn man einen Pullover oder Schal trägt und gefragt wird: „Hast du das selbst gestrickt?“
„Ja, habe ich!“ 😀

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